Verhalten als Angehöriger eines depressiven Menschen

Was sollte man beachten, um einer nahestehenden Person mit Depressionen eine Unterstützung zu bieten? Welche Möglichkeiten gibt es für Angehörige, diesem Menschen zu helfen?

Häufig sind sich die Freunde und Angehörigen von depressiven Menschen sehr unsicher in ihrem Verhalten gegenüber ihrem Mitmenschen. Sie haben keine Ahnung, welches Verhalten sie an den Tag legen sollen. Oft ist es ein großer Wunsch, dem Depressiven irgendwie unter die Arme zu greifen, für ihn da zu sein, ohne dabei eine weitere Last darzustellen. Dabei tritt für die Angehörigen jedoch immer wieder ein Gefühl der Hilflosigkeit ein. Außerdem haben sie Angst vor der Traurigkeit, dem Schmerz sowie der Einsamkeit des depressiven Menschen. Auch kann es sein, dass sie Beleidigungen fürchten.

Es gibt allerdings auch Fälle, in denen die Angehörigen überhaupt nicht ahnen, dass es sich um einen Menschen mit Depressionen handelt. Außerdem heißt es, dass es sich bei der Depression um eine Krankheit mit Ansteckungsgefahr handelt. Daraus sollte man jetzt nicht schließen, dass der Angehörige auch selbst depressiv wird. Zu beobachten ist jedoch, dass Angehörige von depressiven Menschen eine Verhaltensänderung durchleben und mit verschiedenen Gefühlen zu kämpfen haben. Dazu gehören:

  • Müdigkeit
  • Hilflosigkeit
  • Angst
  • Wut
  • Innere Leere
  • Hoffnungslosigkeit

Dadurch wird also selbstverständlich ebenfalls die Lebensweise von Angehörigen beeinflusst.

Wer vermutet, dass eine nahestehende Person mit Depressionen zu kämpfen hat, kann sich gerne folgenden Fragenkatalog ansehen und sich Gedanken dazu machen, wie er ihn beantworten würde:

  • Nimmt in den letzten Wochen die Freude darauf ab, viel Zeit mit der angehörigen Person zu verbringen?
  • Kommt es Ihnen so vor, dass Sie in den letzten Wochen von der angehörigen Person abgewiesen und abgelehnt oder zumindest nicht mehr so sehr geliebt werden?
  • Hat Ihre Angst im Vergleich zu der Vergangenheit zugenommen?
  • Haben Sie mit Ärger und Frust zu kämpfen, weil Ihre Hilfe von der angehörigen Person immer wieder abgelehnt wird? Sind Sie darüber enttäuscht?
  • Haben Sie Einsamkeitsgefühle? Fühlen Sie sich alleine?
  • Wird von der angehörigen Person in den letzten Wochen deutlich mehr Zeit in Anspruch genommen? Kommt es dadurch zu einer Vernachlässigung Ihrer Freunde oder Ihrer restlichen Familie?
  • Fehlt Ihnen die Zeit für Freizeitbeschäftigungen? Haben Sie im Härtefall sogar nicht mehr ausreichend Zeit für die Arbeit?
  • Fühlen Sie sich immer wieder niedergeschlagen? Würden Sie sich selbst als ausgebrannt und leer beschreiben?
  • Haben Sie in den letzten Wochen zu Alkohol gegriffen oder Medikamente eingenommen, welche der Beruhigung dienen sollen?
  • Kommt es in den letzten Wochen häufig zu Streitigkeiten?

Wenn mehrere Fragen von Ihnen bejaht wurden, ist dies ein starkes Zeichen dafür, dass Ihre angehörige Person in der Tat eine Depression hat.

Bleibt die Frage: Welche Möglichkeiten gibt es? Sollte die soziale Bindung zu der depressiven Person gehalten werden? Was ist die angemessene Reaktion, wenn der Angehörige mit Selbstmord droht?

Im Folgenden gibt es verschiedene Tipps, welche beim Umgang mit depressiven Angehörigen äußerst hilfreich sein können:

  • Man sollte auf keinen Fall auf fachlichen Rat verzichten!
    Durch eine Depression erlebt der betroffene Mensch und sein ganzes Wesen eine derartige Veränderung, dass sie durch einen gesunden Mitmenschen nicht verstanden werden kann. Durch diese Krankheit wird die gesamte Seele verändert und alles erscheint dem Erkrankten aussichtslos und negativ. Die Person fühlt sich für alles Schlechte verantwortlich und weist sich immer wieder die Schuld zu. Er hat das Gefühl verloren, liebenswert zu sein. Wenn die Krankheit dazu führt, dass die depressive Person mit ihrem Alltag nicht mehr klar kommt oder Appetit- und Schlafstörungen hat, sollte man ihr unbedingt einen Besuch beim Arzt nahelegen. Die Krankheit kann auf keinen Fall nur durch Angehörige geheilt werden. Viel zu häufig werden Depressionen unterschätzt. Jedoch ist hier, genauso wie bei allen schweren Erkrankungen, ein Arztbesuch unumgänglich!
  • Man sollte auf Floskeln verzichten.
    Die Angehörigen von depressiven Menschen neigen dazu, die Erkrankung zu unterschätzen. Häufig verwenden sie Floskeln, welche eigentlich positiv gemeint sind, jedoch bei der depressiven Person eine negative Wirkung haben. Hierzu gehören beispielsweise:

  • Alles was dir fehlt ist Urlaub.
  • Es ist doch ganz normal, dass es einem mal nicht gut geht.
  • Stell dich nicht so an.
  • Halt die Ohren steif, alles wird besser.
  • Alles was dir fehlt ist ein wenig Abwechslung.
  • So schlecht geht es dir doch gar nicht.
    Durch diese Floskeln wird der depressive Mensch keinesfalls erreicht. Sie haben eher noch eine gegenteilige Wirkung, da der Depressive nun das Gefühl hat, selbst diese doch so einfachen Dinge nicht erreichen zu können. Dadurch setzen sich die Negativgefühle weiter durch. Deshalb sollte man als Angehöriger auf diese Floskeln unbedingt verzichten und stattdessen eine richtige Hilfestellung für den Erkrankten bieten.
  • Es ist gut, Informationen zu sammeln.
    Wenn man sich als Angehöriger verschiedene Informationen zum Thema Depression einholt, bietet dies einen gewissen Schutz vor zu hohen oder fälschlichen Erwartungen. Man sollte ein Verständnis dafür entwickeln, dass wenn die depressive Person sich zurück hält oder aggressiv ist, dies nicht etwa davon kommt, dass die Zuneigung und Liebe abgenommen hätten, sondern dass dies lediglich an der Krankheit liegt. Zudem sollte man sich darüber im Klaren sein, dass eine Heilung der Depression möglich ist. Anschließend ist die depressive Person genau so, wie sie früher war, bevor sie erkrankt ist.
  • Die depressive Person sollte motiviert werden.
    Wer seinem erkrankten Angehörigen tatsächlich helfen möchte, hat hier eigentlich nur eine richtige Chance, nämlich ihn zu motivieren. Man sollte der Person also stets zur Seite stehen und eine Unterstützung bei der Alltagsbewältigung bieten. Ein besonderes Augenmerk sollte darauf liegen, dass Termine bei den Ärzten stets wahrgenommen werden und eine regelmäßige Einnahme der Medikamente erfolgt. Dabei sollte der Erkrankte jedoch nicht gedrängt und unter Druck gesetzt werden. Besser ist es, eine Motivation zu schaffen, dadurch dass die betroffene Person wieder geheilt werden kann.
  • Auch Angehörige sollten ihre Gefühle akzeptieren und offen darüber sprechen.
    Selbstverständlich leidet nicht nur der Erkrankte selbst unter der Depression, sondern die Angehörigen haben ebenso damit zu kämpfen. Häufig fühlen sich die Angehörigen traurig, verärgert, frustriert oder richtig wütend. Dann ist es wichtig, dass sie ihre Gefühle so annehmen und akzeptieren wie sie sind. Es wäre jedoch nicht richtig, wenn man die erkrankte Person für diese Gefühle verantwortlich macht und ihr die Schuld zuweist. Besser ist es, mit seinen Freunden über diese Dinge zu reden und dies gemeinsam zu besprechen. Man kann auch in Erwägung ziehen, mal zu einer Gruppe für Angehörige von depressiven Menschen zu gehen. In einer solchen Gruppe trifft man nicht nur auf Verständnis, sondern auch auf verschiedene sinnvolle Tipps, die einem bei der Alltagsbewältigung mit der Depression und dem depressiven Menschen helfen können.
  • Man sollte Hilfe erfragen und annehmen.
    Es ist wichtig zu akzeptieren, dass einfach jeder Mensch Grenzen hat und nicht alles alleine schaffen kann. Oft werden Familien und Partnerschaften durch die Krankheit Depression stark belastet oder gar zerstört. Daher sollte man auf jeden Fall Hilfe suchen und annehmen. So könnte man beispielsweise die Eltern darum bitten, hin und wieder auf seine Kinder aufzupassen, oder die Freunde, eine Hilfe beim Einkaufen zu bieten. Die Möglichkeiten sind hier sehr vielseitig. Es ist außerdem wichtig, dass man sich als Angehöriger ausreichend Freiräume nimmt, um in dieser Zeit einen Abstand zu der Depression zu gewinnen. Hobbys und andere Dinge, die einem gefallen, sollten auf keinen Fall aufgegeben, sondern stets erhalten werden. Diese Dinge können einen als Angehöriger davor schützen, von der Krankheit gefangen zu werden.
  • Eine Überforderung des Erkrankten ist zu vermeiden.
    Selbstverständlich ist es wichtig, dass man die depressive Person motiviert. Man sollte als Angehöriger versuchen, den Erkrankten auch mal abzulenken. Wer es jedoch so weit treibt, Dinge zu erwarten und einzufordern, welche in dem Krankheitszustand nicht geleistet werden können, geht hier zu weit. Dies führt nämlich lediglich zu einer Frustration und zwar für beide Seiten – für den Erkrankten und seinen Angehörigen. Auch die eigenen Bedürfnisse müssen im Zweifel zurückgesteckt werden und dürfen nicht von dem Depressiven eingefordert werden. Vor allem bei Intimität ist dies sehr wichtig. In den meisten Fällen gibt es keine Sexualität mehr. Wird diese dann verlangt, so kann dies die Partnerschaft in eine schwere Krise stürzen.
  • Die Kinder sollten aufgeklärt werden.
    Es ist wichtig, dass die Kinder wissen, dass ihre Mutter oder ihr Vater krank ist. Daher sollte man mit seinen Kindern offen über die Krankheit sprechen. So können diese auch eher verstehen, warum sie von dem Erkrankten derzeit nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen, wie sonst. Natürlich sollte man seinen Kindern ebenfalls erklären, dass die Krankheit heilbar ist und dann alles so wird wie früher. Wenn möglich sollte man so gut es geht die Pflichten des erkrankten Partners auf sich übertragen und beispielsweise mit den Kindern spielen oder ihnen bei den Hausaufgaben helfen. Wer dadurch überfordert wird, sollte sich unbedingt bei Freunden, den Eltern oder den Großeltern, Hilfe suchen.
  • Selbstmorddrohungen dürfen nicht unterschätzt werden.
    Häufig zeigen Angehörige eine äußerst unsichere Reaktion, wenn der Depressive eine Selbstmorddrohung von sich gibt. Wenn die erkrankte Person mit einem Selbstmord droht, sollte man dies aber auf keinen Fall unterschätzen, sondern auf jeden Fall ernst nehmen. Dabei sollte man auch im Hinterkopf behalten, dass diese Drohung lediglich durch die Depression entsteht und nicht etwa den wahren Wünschen und Bedürfnissen des depressiven Angehörigen entspricht. Bei einer Selbstmorddrohung muss auf jeden Fall ärztliche Hilfe eingeholt werden. Im Härtefall ist es während dieser akuten Phase außerdem ratsam, mit der Polizei zu sprechen.

 

 

 

 

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