Ältere Personen und depressive Erkrankungen

Wahrscheinlich ist so ziemlich jedem bekannt, dass das durchschnittliche Alter des Menschen stets weiter ansteigt. So wurden, wenn man das Gebiet betrachtet, in dem wir leben, Anfang vom 20. Jahrhundert die Menschen im Durchschnitt nur ungefähr 35 Jahre alt. Hingegen lag die Lebenserwartung im Jahr 1950 im Durschnitt immerhin bei ungefähr 60 Jahren.

Eine Betrachtung der heutigen Zeit zeigt:

  • Jungen, welche nun auf die Welt kommen, haben im Durchschnitt eine Lebenserwartung von mehr als 75 Jahren

  • Mädchen, welche nun auf die Welt kommen, haben im Durschnitt sogar eine noch höhere Lebenserwartung, nämlich von mehr als 80 Jahren

Diese Nachricht ist natürlich erfreulich, allerdings muss man sich darüber im Klaren sein, dass eine stets steigende Lebenserwartung auch verschiedene Risiken mit sich bringt. Es gibt eine Vielzahl von Störungen und Beschwerden, welche aufgrund des Alters entstehen können und die jetzt immer weiter zunehmen.

Dazu gehören beispielsweise folgende Erkrankungen:

  • Krankheiten, die die Atmungsorgane betreffen
  • Erkrankungen der Gefäße
  • Osteoporose
  • Krebs in all seinen Formen
  • Verschleiß der Wirbelsäule
  • Rheuma
  • Verschleiß der Gelenke

Es gibt jedoch nicht nur diese körperlichen Erkrankungen – ebenso sind einige psychische Krankheiten bekannt, welche im Zusammenhang mit dem Alter stehen. Zu diesen Krankheiten zählt unter anderem die Depression. Diese gehört zu den psychischen Erkrankungen, welche bei älteren Personen am öftesten auftreten.

Kann man daraus nun schließen, dass ältere Personen automatisch auch depressive Menschen sind?

Auch heute gibt es noch keine Einigkeit unter Experten: Ist es tatsächlich so, dass bei einem Menschen, je älter er wird, die Wahrscheinlichkeit einer depressiven Erkrankung immer weiter zunimmt? Ein Hinweis darauf, dass dies in der Tat so sein könnte, wurde durch eine Studie im Altenheim gegeben. Hier wurde festgestellt, dass ältere Menschen, die in einem Altenheim leben, zu 30 bis 40 Prozent von der Depression betroffen sind. Andere Untersuchungen deuten jedoch darauf hin, dass mit steigendem Alter ein Rückgang des Erkrankungs-Risikos bezüglich einer Depression zu verzeichnen ist. Vielleicht sollte man also nicht gleich vom negativen Fall ausgehen…

Selbstverständlich gibt es nun Menschen, die behaupten, eine gewisse Traurigkeit und Resignation seien mit zunehmendem Alter keine Besonderheit, sondern absolut normal. Das stimmt nicht! Dass man beim Älterwerden nicht automatisch traurig und resigniert werden muss, zeigen die vielen Leute, die zwar älter sind, aber durchaus glücklich.

Dennoch ist es in der Tat so, dass im höheren Alter verschiedene Dinge passieren, welche zur Begünstigung einer depressiven Erkrankung führen können. Beispielsweise nimmt der körperliche Stoffwechsel ab. Außerdem kommt es zu einer Verringerung der Herstellung roter Stoffe in unserem Nervensystem. Das heißt es findet eine Abnahme der Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin sowie Dopamin statt. Parallel hierzu steigt jedoch der Anteil von Monoaminooxid in unserem Hirn, also dem Stoff, der die Verantwortung für den Abbau dieser Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin und Dopamin hat. Ein Faktor, der eine Depression im Alter begünstigt, ist also, dass in unserem Gehirn das Gleichgewicht der Botenstoffe zerstört wird.

Es gibt noch weitere Ursachen für eine depressive Erkrankung bei älteren Menschen:

  • Schmerzen
  • Körperliche Krankheiten

Je stärker die betroffene Person unter ihren Schmerzen leidet, umso heftiger tritt die Depression dann auf. Dasselbe gilt für körperliche Krankheiten – je schlimmer die Erkrankung, umso stärker die Ausmaße der Depression. Schmerzen und körperliche Krankheiten bringen sogar noch einen weiteren negativen Faktor mit sich: Oft ist es so, dass dadurch die Einnahme unterschiedlicher Schmerzmittel bzw. sonstiger Medizin notwendig wird. Diese Medikamente haben in vielen Fällen heftige Nebenwirkungen, wozu auch depressive Stimmungen oder eine Depression zählen können.

Noch ein andere Grund dafür, dass im höheren Alter eine Depression begünstigt wird, kann allgemein die Lage und Situation der betroffenen Person sein. Es ist hier ebenso wie bei jungen Leuten, dass die depressive Erkrankung dann erst auftritt, wenn ein Zusammenspiel unterschiedlicher Punkte aufkommt. Mit steigendem Alter steigt jedoch auch die Wahrscheinlichkeit, dass eben solche Faktoren aufkommen.

Diese können zum Beispiel folgende Dinge sein:

  • Krankheiten
  • Eine Hilflosigkeit bei verschiedenen Sachen
  • Verlusterlebnisse, beispielsweise wenn der Ehepartner oder gute Freunde gestorben sind
  • Das Gefühl, nicht mehr dazu in der Lage zu sein, das eigene Leben selbstständig im Griff zu haben

Diese Faktoren treten im höheren Alter häufiger auf, was dazu führt, dass eine Depression begünstigt wird.

Vor allem Frauen sind von einem weiteren Faktor betroffen. Häufig ist es so, dass es sie traurig stimmt zu sehen, wie ihre Kinder mal ein selbstständiges Leben haben, mit der Gründung einer Familie beschäftigt sind und somit nicht mehr so von den Eltern abhängig sind, wie es früher immer war. Dies verursacht bei vielen Müttern einen gewissen Schmerz. Zur gleichen Zeit ist es oft so, dass die Frauen in das Rentenalter eintreten, weil es inzwischen immer mehr so ist, dass Mütter später mit der Familiengründung beginnen. So ‚verlieren‘ diese Frau also ihre Kinder und ihren Beruf auf einmal. Dies kann zu einer Vereinsamung führen und dazu, dass die Frau sich überflüssig vorkommt.

Bei folgenden Signalen sollte man achtsam sein:

  • Wenn man als Betroffener auf einmal viel vergisst
  • Wenn man sein Leben als sinnlos erachtet
  • Wenn man sich ohne Energie fühlt
  • Wenn man nicht mehr dazu in der Lage ist, sich zu freuen
  • Wenn man auf einmal eine große Unruhe verspürt
  • Wenn man immer wieder unter Verstopfung leidet
  • Wenn der Appetit verloren ging und man abnimmt
  • Wenn man unter Schlaflosigkeit leidet
  • Wenn man immer wieder Gefühle hat, wie beispielsweise:
    • Trauer
    • Das Gefühl überflüssig zu sein
    • Hoffnungslosigkeit

Wer solche Signale wahrnimmt muss sich darüber im Klaren sein, dass dies vielleicht der Hinweis für eine depressive Erkrankung sein kann. Doch keine Panik: Selbstverständlich kann man auch bei älteren Personen eine Behandlung durchführen. Es ist wichtig, dass der Patient hier aktiv das Gespräch mit seinem Arzt sucht, offen über seine Bedenken spricht und gemeinsam mit ihm einen Behandlungsplan entwickelt.

 

 

Diagnose der depressiven Erkrankung bei älteren Personen

Vor dem Start einer Behandlung einer depressiven Erkrankung ist es selbstverständlich notwendig, diese zunächst zu diagnostizieren. Vor allem bei Personen, die bereits in einem gewissen Alter sind, ist diese Diagnose jedoch etwas knifflig. Diese Menschen kennen es üblicherweise kaum, offen über die Gefühle zu sprechen, welche sie bewegen und haben daher große Schwierigkeiten damit. Sie erläutern daher häufig lediglich die körperlichen Beschwerden, welche bei ihnen durch die Depression entstehen. Beispielsweise beklagen sie einen großen Gewichtsverlust und erklären, dass die Verdauung nicht mehr richtig funktioniert, kaum mehr Appetit vorhanden ist und sie oftmals unter Schlaflosigkeit leiden. Der behandelnde Arzt macht dann eine Vielzahl unterschiedlicher Tests und Untersuchungen mit dem Patienten, oftmals, ohne dabei zu erkennen, dass die Ursache der Beschwerden eine Depression ist.

 

Körperliche Beschwerden, welche bei einer depressiven Erkrankung einer Person höheren Alters auftreten können:

  • Kopfweh
  • Störungen der Blase
  • Übelkeit
  • Gelenkschmerzen
  • Impotenz
  • Durchfall
  • Störungen des Darm- und Magengeschehens
  • Völlegefühl
  • Wechselnde Laune im Tagesverlauf
  • Gewichtsverlust
  • Frieren oder Schwitzen
  • Schwindel
  • Muskelverspannungen
  • Appetitlosigkeit
  • Nachlassendes oder kein Verlangen nach sexuellen Dingen
  • Sehstörungen bzw. Flimmern
  • Gefühl der Abgeschlagenheit
  • Diffuse Schmerzen
  • Anhaltende Müdigkeit
  • Erbrechen
  • Gestörte Atmung
  • Verstopfung
  • Kalte Füße bzw. Hände
  • Herz-Kreislauf Probleme

 

Es kann sein, dass eine depressive Erkrankung als Folge weiterer Krankheiten entstanden ist. Daher muss selbstverständlich erforscht werden, was der generelle Grund der Erkrankung ist. Dann kann man diese Ursache abstellen oder zumindest mit einer Behandlung dagegen angehen. So kann auch gleich die depressive Erkrankung bekämpft werden.

Gründe, die für die depressive Erkrankung in Frage kommen:

  • Tumore
  • Entzündliche bzw. infektiöse Krankheiten
  • Stoffwechselstörungen, wie beispielsweise eine Nieren- oder Leberinsuffizienz oder eine Schilddrüsenunterfunktion oder Schilddrüsenüberfunktion
  • Missbrauch von Drogen, beispielsweise Alkohol
  • Falsche Ernährung oder Mangelernährung, beispielsweise zu wenig Vitamin B12
  • Chronische Atemwegerkrankungen
  • Krankheiten des Hirns, beispielsweise Demenz
  • Eine geringere Leistung vom Herz

 

Ein anderer Grund einer depressiven Erkrankung könnte auch die Einnahme bestimmter Medikamente sein. Diese können negative Nebenwirkungen mit sich bringen, wie beispielsweise Gewichtsverlust, Müdigkeit, Abgespanntheit, Appetitlosigkeit und Schlafstörungen. Diese Nebenwirkungen lassen sich jedoch nicht allgemein festlegen, da sie bei jedem Menschen anders ausfallen können. Wichtig ist es daher, dass insbesondere Menschen, welche schon zuvor für depressive Erkrankungen sehr anfällig waren, auf diese Medikamente eher verzichten und nach alternativen Mitteln Ausschau halten.

Wer nun aufgrund eine anderen Erkrankung bereits Medikamente verordnet bekommen hat und diese einnimmt, sollte, wenn die Symptome einer depressiven Erkrankung aufkommen, dies unbedingt seinem Arzt mitteilen. Ein Absetzen der Medikamente im Alleingang sollte allerdings nicht durchgeführt werden – die ursprüngliche Erkrankung könnte dadurch noch schlimmer werden.

 

Es ist auch deshalb schwieriger, bei älteren Personen eine depressive Erkrankung richtig zu diagnostizieren, weil eine Vielzahl der Symptome ziemlich gleich aussieht, wie die üblichen Altersbeschwerden. Daher werden diese Symptome häufig abgestempelt und lediglich als normale Entwicklung des alternden Menschen bezeichnet. Hierzu zählen beispielsweise Gedächtnis-, Konzentrations- und Schlafstörungen. Insbesondere wenn Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen auftreten, gehen viele Menschen und auch Ärzte davon aus, dass nur wegen dem höheren Alter das Gehirn mit dem Abbauvorgang startet, Alzheimer vorliegt oder sich gerade eine Demenz entwickelt.

Es ist also so, dass sowohl die Patienten selbst, als auch ihre Mitmenschen und Ärzte kaum einmal daran denken, dass es sich um eine Depression handeln könnte. So wird dem Betroffenen die Möglichkeit einer richtigen Therapie vorenthalten.

 

Tipps für den Arztbesuch:

  • Wenn der Patient bereits wegen anderen Erkrankungen Medikamente zu sich nimmt, sollte er dies dem Arzt unbedingt mitteilen.
  • Der Betroffene sollte auf eine sorgfältige körperliche Untersuchung bestehen.
  • Die Beschwerden sollten offen angesprochen werden.
  • Jede noch so kleine Veränderung, die der Patient bemerkt hat, sollte er auch ansprechen.
  • Wenn nötig fordern sie die Überweisung für den Psychiater einfach an.

 

 

 

 

 
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