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Montag, 26.1.2009, 10:57:24 Uhr

"Ich lebe seit drei Monaten in der Klapse und finde es total okay"


Eine Schülerin beschreibt ihren Alltag in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die 16-Jährige hatte sich dort selber eingewiesen. Und sie stellt klar: Sie selber und die anderen Patienten sind nicht verrückt.

Für jeden von uns ist es der größte Graus, an die Psychiatrie zu denken. Denn wie wir alle wissen, leben dort nur Verrückte. Nun ist es aber so, dass ich seit ungefähr drei Monaten in einer sogenannten Klapse wohne und schlafe. Und ich fühle mich dadurch stetig besser, es ist absolut okay. Es war eine gute Entscheidung, mich selbst in die Psychiatrie einweisen zu lassen. Denn mein jetziger Wohnort ist keine Erwachsenen-Psychiatrie, sondern eine Kinder- und Jugend-Psychiatrie (KJP), was einen riesigen Unterschied ausmacht.

In einer KJP werden Patienten bis zum 18. Lebensjahr aufgenommen, deren Krankheitsbilder unterschiedlicher nicht sein könnten. Es geht von Essstörungen über Trauma bis hin zu Depressionen. Auf den ersten Blick hört sich das alles nicht so schlimm an, doch man muss bedenken, dass es sich um Kinder und Jugendliche handelt und dass die Probleme, weshalb sie in der Psychiatrie sind, meistens durch ihr Elternhaus ausgelöst wurden.

Denn Depressionen, Essstörungen und selbstverletzendes Verhalten - was die heutige Jugend als ritzen bezeichnet - sind Symptome und Hilfsmittel, um eine bestimmte Situation zu überstehen.

Stellt euch vor, dass sich die Eltern eines zehn Jahre alten Kindes trennen. Das Kind kommt hiermit - was verständlich ist - nicht zurecht, da sich die Eltern entweder die Augen auskratzen, die Kinder dabei mit ins Geschehen ziehen oder weiterhin eine heile Welt vorspielen. Für das Kind bricht eine Welt zusammen, denn so eine Situation tut weh. Und genau an diesem Punkt versucht das Kind, seine Schmerzen zu betäuben, indem es Symptome, wie die oben beschriebenen, entwickelt. Aber im Allgemeinen kann man sich das Leben in einer KJP wie in einer Wohngemeinschaft vorstellen, nur dass es hier regelmäßige Gespräche mit einem Psychiater gibt.

Auch unter diesem Wort stellt sich alle Welt was Schlimmes vor. Doch er oder sie ist auch nur ein Mensch, der ausgebildet wurde, sich in die Probleme anderer hinein zu versetzen. Er versucht so seinen Patienten zu helfen, ihnen ihre Ängste zu nehmen oder auch ihre Wahrnehmung in die richtige Bahn zu lenken. So wie bei mir.

Bin ich verrückt, nur weil ich in der Psychiatrie bin? Viele werde diese Frage jetzt sicherlich mit einem klaren Ja beantworten. Die Antwort kann ich auch keinem übel nehmen, denn ich habe, bevor ich die Erfahrung am eigenen Leib gemacht habe, genauso gedacht. Die ersten ein, zwei Wochen kam mir mein neues Leben in der Psychiatrie sehr unnormal und verrückt vor. Genauso wie alle nicht Psychiatrie-Erfahrenen habe ich das Wort Psychiatrie oder Psychiater mit anderen Sachen als dem Wirklichen assoziiert. Ich dachte, dort sind Verrückte, wie wir sie aus Filmen kennen. Doch dem ist nicht so.

Zwar ist es nicht so normal wie draußen, denn wir haben hier sehr viele Regeln, die jedoch nur dazu dienen, um das Zusammenleben auf so lange Zeit zu ermöglichen.

Außerdem ist unser Tagesablauf sehr strukturiert und geregelt. Am Anfang waren diese Regeln und Strukturen sehr ungewohnt für mich, weil ich es - wie die meisten Jugendlichen in meinem Alter - gewöhnt war, mein Leben mehr oder weniger selbstständig in die Hand zunehmen, was mir hier von der einen auf die andere Sekunde genommen wurde.

Jetzt ist es für mich schon zum Alltag geworden, denn ich habe nach und nach gemerkt, dass die Verantwortung, die ich vorher auf meinen Schultern tragen musste, mir abgenommen wurde. Ich fing an, mich zu entspannen und mich auf mich zu konzentrieren - meine Probleme zu bekämpfen.


Wer ist in einer Psychiatrie? Auf die Frage haben die meisten wahrscheinlich wieder die Antwort: nur Verrückte! Aber auch ihr könnt euch hier Hilfe holen und eine Auszeit nehmen. Es ist nichts Schlimmes, hier zu sein. Allerdings bin ich erst gegen Ende meines Aufenthalts zu dieser Aussage gekommen. Hier ist keiner, der "krank im Kopf" ist und nicht mehr klar denken kann. Von Hauptschülern bis Gymnasiasten ist hier alles vertreten, denn schwerwiegende seelische Probleme haben mit der Intelligenz nicht im Geringsten etwas zu tun.

Die meisten Leute sind hier, weil sie Schulprobleme oder Probleme in ihrem Elternhaus haben. Sie sind aber auch hier, weil sie Erlebnisse aus ihrer Vergangenheit nicht verarbeiten können und durch Essstörung oder Ritzen aufgefallen sind.

Unser Alltag ist zwar durch die Therapien- und Freizeitmöglichkeiten auch individuell, doch morgens werden wir alle von Betreuern oder unserem Wecker so gegen sieben Uhr geweckt. Ab 8.30 Uhr gehen einige in die Therapie, andere in die Schule. Denn der Schulunterricht findet hier in Zweier- bis Vierergruppen statt. Das hat den Sinn, dass sich die Lehrer in kurzer Zeit auf ihre kleine Gruppe einlassen können, und somit bekommen auch die Schüler mehr vom Unterricht mit.

Jeden Tag haben wir anderthalb Stunden Schule. Wenn wir keine Schule haben, haben wir Therapien oder frei. Bin ich nun verrückt? Oder nun doch normal?



http://www.abendblatt.de/daten/2009/01/13/1007993.html


Thema: Depressionen News

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Von: Krank
Kommentar:
Das macht sehr krank
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Von: Julia Cz.
Kommentar:
Lieber Karl...

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Von: Tom L.
Kommentar:
Es ist schon hart an eine dieser depressiven Erkrankungen zu leiden. Man sieht z.B. in Haiti wie schlecht es den Menschen dort geht und sollte jubeln. Aber man tut es nicht sondern ist meist wie eh und je am Boden.
Daher Kompliment für diese Seiten hier. Es ist gut zu wissen das es auch anderen Menschen so ergeht wie einem selbst. Und das es nicht ummöglich ist das es einem zumindest ab und an besser geht.
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Von: Karl
Kommentar:
Ich nehme die immer dann, wenn es mir zu viel wird. Zwar dauert das schon mal ne halbe Stunde, bis die wirken, aber dann ist wieder alles OK.

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Von: ElliVanelli
Kommentar:
Hallo Karl

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