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Montag, 26.1.2009, 11:46:26 Uhr

Die Angst, den Verstand zu verlieren



Auch Demenz sollte möglichst früh behandelt, Hilfe auf alle Fälle angenommen werden

Demenz und Krebs haben etwas gemeinsam: Jeder Mensch fürchtet sich davor, und viele wollen sich deshalb nicht mit diesen Krankheiten auseinandersetzen, sondern verdrängen lieber. Im Falle von Demenz, oft völlig zu Unrecht für "peinlich" gehalten, entwickeln sowohl zahlreiche Betroffene als auch Angehörige Strategien, um die Erkrankung nach außen hin zu vertuschen. Da hängen beispielsweise überall Memo-Zettel, da wird Diebstahl bei Verlegen von Gegenständen vorgeschoben, da werden der zunehmende Verlust des Kurzzeitgedächtnisses, Verwirrtheit oder Orientierungsstörungen beschönigend auf "ein bisschen Altersdemenz" zurückgeführt. Senioren sprechen dann von "ihren betagten grauen Zellen" und weisen die Bitte, sich untersuchen zu lassen, empört zurück: "Ich bin doch nicht verrückt." Professor Dr. Gerhard Hamann, Leiter der HSK-Klinik für Neurologie, aber erklärt: "Altersdemenz" gibt es nicht. Entweder es ist Alzheimer oder vaskulär, also gefäßbedingt. Die Auswirkungen sind ähnlich."

Da Verdrängung letztlich nur zusätzlichen Schaden anrichtet und die Krankheit laut Aussage von Dr. Thomas Zickgraf, Vorsitzender der Alzheimer Gesellschaft, "innerhalb von sechs bis zehn Jahren zum völligen Verlust des Verstandes führt", sollte man sich früh den Tatsachen stellen, alles für eine möglichst rasche und damit den Verlauf hinauszögernde medizinische Behandlung in die Wege leiten und Erforderliches regeln. Wer bemerkt, dass er beispielsweise öfter das Datum, die Jahreszeit, die Adresse oder den Namen der Kinder vergisst, der sollte unabhängig von seinem Alter die vielfältigen Wiesbadener Angebote nutzen: Möglichkeiten der Diagnostik bieten die Memory-Clinic in der Asklepios-Paulinen-Klinik, wo man sich ambulant auf Anzeichen demenzieller Art untersuchen lassen kann. Dasselbe gilt für die Otto-Fricke-Klinik in Bad Schwalbach sowie die Institutsambulanz des Psychiatrischen Krankenhauses Eichberg. Für die Abklärung und die Spezialisten erfordernde Behandlung steht auch die neurologische Klinik in den HSK zur Verfügung.

Ergebnis der Untersuchung kann nun durchaus sein, dass man nicht unter Demenz, sondern beispielsweise unter - gut zu behandelnden - Depressionen leidet, die zu ähnlichen Symptomen führen. Wurde Demenz diagnostiziert, stehen zur näheren Information unter anderem Gesprächskreise der Alzheimer-Gesellschaft zur Verfügung. Darüber hinaus sollte der Betroffene rechtlich alles so regeln: Vollmachten erteilen, Betreuer für den Bedarfsfall benennen, sein Testament schreiben, eine Patientenverfügung ausstellen und mit seiner Familie darüber sprechen, ob er später nach Möglichkeit zuhause mit Pflegekräften oder lieber in einer Einrichtung betreut werden will. Nur so kann er sich auf einen späteren Gang der Dinge seinem eigenen Willen gemäß verlassen. Angehörige, gute Freunde und vertrauenswürdige Nachbarn sollten von vornherein aufgeklärt werden, weil das erheblich zur Entlastung beiträgt: Man muss keine Fassade aufbauen und kann die Unterstützung der Betreuenden sichern: "Es ist ganz wichtig, dass ein Angehöriger sein eigenes Leben führen kann und nicht alles auf den Kranken einstellt. Das bedeutet auch, loslassen zu können", erklärt Ulrike Granzin, gemeinsam mit Birgit Haas Koordinatorin im Forum Demenz Wiesbaden. Das ist Grundvoraussetzung dafür, dass man auf Dauer bei der Betreuung die Nerven behält und dem dementen Menschen gerecht wird. Nur so lassen sich als Partner oder Kind zumindest annähernd die Ratschläge der Expertin Haas beherzigen: Dem Patienten nicht seine Schwächen vorhalten, also nicht vorwerfen, dass er Wesentliches vergisst oder Gegenstände verliert. Keinesfalls mit ihm diskutieren, denn er ist schon verunsichert genug! Aufforderungen in kurzen, knappen Sätzen halten und auf eine einzige Sache beschränken. Berücksichtigen, dass der demente Mensch gerade weil er verbal so wenig begreift, die Emotionen seines Gegenübers bis zu einem gewissen Grad wahrnimmt und durchaus auch noch über seinen Tastsinn verfügt: Also tut man ihm Gutes, indem man ihm die Hand streichelt oder in den Arm nimmt. Bei allem ist zu berücksichtigen, dass ein Mensch auf den Abbau seines Verstandes mit großen Ängsten reagiert. Bevor man als Betreuender im Laufe der Zeit an seine Grenzen gerät, hole man sich so früh wie möglich von außen Hilfe. Diesbezüglich ist man beim "Forum Demenz", einem Zusammenschluss von Diensten und Einrichtungen unter der Schirmherrschaft des Sozialdezernenten Arno Goßmann, in besten Händen: Hier kann man sich über gesetzliche Grundlagen informieren lassen, findet Unterstützung bei der häuslichen Versorgung, seien es Haushaltshilfe oder Tagespflege, findet stationäre Unterbringungsmöglichkeiten einschließlich beschützender Einrichtungen für Menschen mit Demenz, die sich selbst gefährden, und kann Angebote für Angehörige inklusive betreuter Reisen nutzen. Und diese Angebote sollten sie unbedingt nutzen, denn die Belastungen, die möglicherweise über Jahre auf ihren Schultern ruhen, sind immens.



http://www.wiesbadener-tagblatt.de/region/objekt.php3?artikel_id=3602348


Thema: Depressionen News

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Von: Krank
Kommentar:
Das macht sehr krank
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Von: Julia Cz.
Kommentar:
Lieber Karl...

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Von: Tom L.
Kommentar:
Es ist schon hart an eine dieser depressiven Erkrankungen zu leiden. Man sieht z.B. in Haiti wie schlecht es den Menschen dort geht und sollte jubeln. Aber man tut es nicht sondern ist meist wie eh und je am Boden.
Daher Kompliment für diese Seiten hier. Es ist gut zu wissen das es auch anderen Menschen so ergeht wie einem selbst. Und das es nicht ummöglich ist das es einem zumindest ab und an besser geht.
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Von: Karl
Kommentar:
Ich nehme die immer dann, wenn es mir zu viel wird. Zwar dauert das schon mal ne halbe Stunde, bis die wirken, aber dann ist wieder alles OK.

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Von: ElliVanelli
Kommentar:
Hallo Karl

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