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Sonntag, 20.1.2008, 00:04:29 Uhr
| | Das abgrundtiefe Leiden an sich selbst |
Eine Frau sitzt auf einer Bank in der Sonne. Es ist ein schöner Tag, der die Lebensfreude weckt. Dennoch kann sie sich nicht freuen, weil sie unfähig ist, etwas zu genießen. Sie leidet an einer Depression.
Diese Szene beschreibt Professor Dr. Manfred Wolfersdorf, der ärztliche Direktor des Bezirkskrankenhauses in Bayreuth und einer der führenden Depressionsforscher in Deutschland, in seinem jüngsten Buch. Depression ist eine der häufigsten und wichtigsten Krankheiten weltweit. Bis zu 37 Prozent aller Erwachsenen, so schätzt man, litten einmal in ihrem Leben an einer Depression. Die Krankheit gehört zu den schwersten und gefährlichsten überhaupt, weil viele Betroffene keinen anderen Ausweg sehen, als sich umzubringen. Etwa 11 000 Menschen sterben pro Jahr in Deutschland durch eigene Hand, die meisten waren depressiv.
Unsicheres Selbstbild
Es kann jeden treffen: Ob Arzt oder Hilfsarbeiter, ob jung oder alt. „Wir leben in einer depressionsfördernden Gesellschaft“, sagt Wolfersdorf, „weil das Selbstwertgefühl eines Menschen ganz eng an die Leistungsfähigkeit gekoppelt ist. Man ist nur geliebt, geschätzt und anerkannt, wenn man ständig etwas leistet.“
Besonders gefährdet sind Menschen, die ein unsicheres Selbstbild haben. Kommt dann noch ein Auslöser dazu wie fehlende Wertschätzung, eine massive Kränkung oder eine körperliche Erkrankung, dann stehen sie unter Stress. Als Folge gerät der Stoffwechsel im Gehirn durcheinander. Die genauen Auslöser sind unbekannt, doch weiß man, dass Erbanlagen und Umwelteinflüsse zusammenspielen.
Es beginnt schleichend
Eine Depression beginnt schleichend, mit Schlafstörungen, Reizbarkeit, Rückzug, Grübeln und Erschöpfung. „Vielfach erkennen der Partner oder enge Freunde, dass sich etwas verändert. Jemand kommt beispielsweise seit Wochen nicht mehr zum Stammtisch“, sagt der Bayreuther Professor. „Das kann ein Alarmzeichen sein.“
Wolfersdorf berichtet von einem Lehrer, der bei einer Bergwanderung heftiges Herzklopfen bekam. Ein Freund sagte ihm zudem, er habe sich verändert. Auf dessen Drängen hin ging er zu einem Psychiater, der eine Depression feststellte. „Burn out ist nichts anderes als eine Erschöpfungsdepression“, erklärt der Chefarzt.
Während in früheren Jahren eine Depression vielfach als Makel galt, ist die Krankheit heute dabei, aus der Grau- und Tabuzone herauszukommen. Erste Anlaufstelle bei einer Depression ist der Hausarzt. „Wenn er bei den verschiedenen Beschwerden daran denkt, dass es eine Depression sein kann“, sagt Wolfersdorf, „dann ist er schon gut.“ Meistens verordne er ein Schlafmittel und versuche mit verschiedenen Untersuchungen eine körperliche Erkrankung auszuschließen – „dabei vergeht die Zeit“.
Ein Jahr dauert es durchschnittlich vom ersten Auftreten der Symptome, bis ein Kranker in die Klinik kommt. Manche Patienten im Bezirkskrankenhaus Bayreuth haben einen langen Leidensweg hinter sich. Die Klinik hat vor allem wegen ihrer Depressionsbehandlung deutschlandweit einen sehr guten Ruf. Unter den 160 Fachkrankenhäusern in Deutschland gehört sie zu den führenden fünf. Wolfersdorf, der 1976 in Ravensburg die erste Depresssionsstation mitgegründet hat, ist international als Experte gefragt.
Der Bayreuther Professor beklagt, dass die Diagnostik in Deutschland tragischerweise unzureichend sei. In anderen europäischen Ländern sei man da ein Stück weiter.
Obwohl es Depressionen schon immer gegeben hat, sind die Zahlen in den vergangenen Jahren offenbar gestiegen. Einen Zuwachs gibt es laut Wolfersdorf vor allem bei den leichteren und mittleren Erkrankungen. In den USA ist in diesem Bereich eine Verdoppelung belegt. Schwere körperliche Erkrankungen wie Krebs oder Diabetes, chronische Arbeitslosigkeit, Vereinsamung und Überlastungen in der Firma können Auslöser für eine Depression sein.
Depressive zweifeln zutiefst an sich selbst. „Ich kann nichts, ich bin nichts, keiner mag mich, es fällt gar nicht auf, wenn es mich nicht mehr gibt“, sei ein typischer Satz. Depressive suchten die Schuld für alles bei sich selbst. Für Gesunde sei es oft schwer, diese Gedankenwelt nachzuvollziehen. „Ein Depressiver muss das Gefühl haben, vertieft verstanden zu werden.“
Medikamente, Psychotherapie
Zwischen 200 und 300 Patienten nehmen die Ärzte im Bezirkskrankenhaus Bayreuth pro Jahr wegen Depressionen stationär auf. Behandelt wird die Krankheit sowohl mit Medikamenten als auch mit Psychotherapie. Der Bayreuther Arzt spricht mit großer Sympathie von seinen Patienten und zitiert den Religionsphilosophen Romano Guardini, der selbst an Depressionen litt: Schwermütige seien Gott näher, habe dieser gesagt.
Gute Heilungschancen
„Depressive Menschen empfinden Dinge sehr viel tiefer als andere und haben einen tiefen Humor“, sagt Wolfersdorf. Die Depressionsstation eines Krankenhauses dürfe man sich deshalb keineswegs als Trauerveranstaltung vorstellen, es werde auch gelacht. Der ärztliche Direktor zitiert einen Gast, der vor seinem Besuch sagte: „Mein Gott, so viele Depressive auf einem Haufen und dann noch die Mitarbeiter – das hält doch kein Mensch aus.“
Dass man es gut aushält, dafür ist der lebensfrohe Professor selbst das beste Beispiel. Und auch der größte Teil der Depressiven schafft es, wieder ein lebenswertes Leben zu führen: „Wenn sie richtig behandelt und begleitet werden, haben sie eine hohe Chance, aus der Depression leistungsfähig, beziehungsfähig und erlebnisfähig herauszukommen.“
Thema: Depressionen News
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Von: Krank
Kommentar: Das macht sehr krank
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Von: Julia Cz.
Kommentar: Lieber Karl...
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Von: Tom L.
Kommentar: Es ist schon hart an eine dieser depressiven Erkrankungen zu leiden. Man sieht z.B. in Haiti wie schlecht es den Menschen dort geht und sollte jubeln. Aber man tut es nicht sondern ist meist wie eh und je am Boden.
Daher Kompliment für diese Seiten hier. Es ist gut zu wissen das es auch anderen Menschen so ergeht wie einem selbst. Und das es nicht ummöglich ist das es einem zumindest ab und an besser geht.
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Von: Karl
Kommentar: Ich nehme die immer dann, wenn es mir zu viel wird. Zwar dauert das schon mal ne halbe Stunde, bis die wirken, aber dann ist wieder alles OK.
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Von: ElliVanelli
Kommentar: Hallo Karl
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