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Dienstag, 27.1.2009, 10:12:31 Uhr
"Es kann jeden treffen", sagt der Psychiater Berthold Müller. Deshalb sei es wichtig, offen über die Volkskrankheit zu reden - damit betroffene Menschen und ihre Familien nicht schweigen, sondern schnell Rat und Hilfe suchen, wenn es nötig ist. Das will das »Bündnis gegen Depression« Reutlingen/Tübingen, und seit vier Jahren kämpft es für dieses Anliegen. Mit Erfolg, sagt Professor Müller, Chefarzt an der Münsterklinik Zwiefalten. Und sein Kollege Gerhard Längle, medizinischer Geschäftsführer der Reutlinger Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, stimmt zu: Die Arbeitsgemeinschaft sei auf dem richtigen Weg.
Wichtig ist den beiden, aber auch den anderen Mitgliedern des Bündnisses (alles in allem sind es an die zwanzig Männer und Frauen), die breite Öffentlichkeitsarbeit aus unterschiedlichen Gründen. Zum einen werden Depressionen immer noch viel zu oft verkannt, obgleich sie weitverbreitet sind und Patienten unter den unterschiedlichsten Symptomen aus dem gewohnten Leben werfen können, wie Ärzte, Berater und Mitarbeiter von Selbsthilfegruppen sehr wohl wissen.
Anzeichen werden verkannt
Zum anderen aber gibt es Anzeichen, dass die gesellschaftliche Situation mehr als früher Depressionen auslösen kann: Arbeitslosigkeit und die Angst vor ihr mögen Gründe für eine krankhafte, ja tödliche Schwermut sein. Aber auch der Leistungsdruck auf Jugendliche nimmt zu, warnt Dr. Längle und nennt als Beispiel das achtjährige Gymnasium, das manchen Jungen und manches Mädchen überfordert: »Ich denke, da kommt etwas auf uns zu.«
Bereits heute sind vielfach Kinder und Jugendliche von Depressionen betroffen, weiß Renate Pandtle von der Psychologischen Beratungsstelle der Diakonie in Reutlingen. Eltern deuten die Anzeichen nicht gleich richtig, auch manche Ärzte verkennen den Schatten, der über ihren jungen und älteren Patienten liegt.
Hier ist einer der Ansatzpunkte für das »Bündnis gegen Depression«, machen Müller und Längle deutlich. Mit Vorträgen und Seminaren sensibilisieren sie die Kollegen, deren Hausarztpraxis immer noch die erste und wichtigste Anlaufstelle für Ratsuchende ist, erfolgreich für die Krankheit. Denn sie trifft fünf Prozent der Bevölkerung: für eine gewisse Zeit die einen, fürs ganze Leben die anderen. Aber »Depressionen können heute mit großem Erfolg behandelt werden«, unterstreicht Berthold Müller.
Zwar gibt es Medikamente, die wirksam helfen, Bedrücktheit und Kraftlosigkeit zu mildern. »Aber es gilt immer, den ganzen Menschen zu sehen und seine Behandlung psychotherapeutisch zu begleiten, so lange es notwendig ist«, ergänzt der Chefarzt.
"Die Scham ist groß
Eine Hürde, die dieser Behandlung im Wege steht, ist die Ablehnung der Gesellschaft. »Die Scham ist ungeheuer groß«, weiß Angelika Schmitz vom Arbeitskreis Leben in Reutlingen. Viele Betroffene gehen nicht aus sich heraus, sondern schweigen, weil sie die Ausgrenzung fürchten. Denn Mitmenschen, denen Depressionen nicht vertraut sind und deshalb umso bedrohlicher erscheinen, »haben leider wenig Interesse, darüber zu sprechen«, weiß Ute Schindler aus den Erfahrungen der Tübinger Bündnis-Mitarbeiter. Informationsstände und andere Versuche, mit den Bürgern der Uni-Stadt ins Gespräch zu kommen, stoßen deshalb allzu häufig ins Leere.
Die Arbeitskreise in beiden Landkreisen denken trotzdem nicht ans Aufgeben, sondern wollen ihre Aufklärungskampagne fortsetzen. Einer der Schwerpunkte für die Reutlinger: Kontakt zu Industrie und Handwerk suchen, um in der Arbeitswelt das Thema Depression aufzugreifen - sei es über Betriebsräte, sei es über Personalchefs. Daneben unterstützt das Bündnis die Forschung, wie Professor Längle anmerkt, durch Umfragen und die Auswertung von Hilfsangeboten und ihre Netzwerke.
Die Tübinger setzen ihre Vortragsreihe fort: Am 27. Januar geht es um Ursachen, Symptome und Therapie von Depressionen, weitere Vorträge folgen monatlich (immer um 19 Uhr im Gemeindehaus Lamm). Aus Großversuchen in Nürnberg und Würzburg weiß die Medizin, dass es nützlich ist, die Problematik an die Öffentlichkeit zu tragen. Dort ist nach Jahren der Informationsarbeit die Selbstmordziffer deutlich zurückgegangen.
Für Reutlingen und Tübingen ist es für Erfolgsbilanzen noch zu früh. »Aber vom Gefühl her«, so Berthold Müller, »wirkt es sich vorteilhaft aus, dass die Menschen sensibilisiert sind.«
Kleine Fortschritte
Gerade im ländlichen Raum, ergänzt Gerhard Längle, fallen die Bemühungen um gesellschaftliche Akzeptanz der Krankheit auf fruchtbaren Boden. »Dort kommen Familien auf uns zu oder drängen ihre Angehörigen, mit ihrer Krankheit zum Arzt zu gehen.« Und schon das ist ein Fortschritt. (GEA)
http://www.gea.de/detail/1168503
Thema: Depressionen News
Dieser Beitrag wurde 743 mal gelesen.
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Von: Krank
Kommentar: Das macht sehr krank
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Von: Julia Cz.
Kommentar: Lieber Karl...
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Von: Tom L.
Kommentar: Es ist schon hart an eine dieser depressiven Erkrankungen zu leiden. Man sieht z.B. in Haiti wie schlecht es den Menschen dort geht und sollte jubeln. Aber man tut es nicht sondern ist meist wie eh und je am Boden.
Daher Kompliment für diese Seiten hier. Es ist gut zu wissen das es auch anderen Menschen so ergeht wie einem selbst. Und das es nicht ummöglich ist das es einem zumindest ab und an besser geht.
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Von: Karl
Kommentar: Ich nehme die immer dann, wenn es mir zu viel wird. Zwar dauert das schon mal ne halbe Stunde, bis die wirken, aber dann ist wieder alles OK.
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Von: ElliVanelli
Kommentar: Hallo Karl
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